Alte Sammlerbücher: Womit anfangen
Eine Sammlung alter Bücher zu beginnen, schüchtert oft mehr ein, weniger wegen des Preises als wegen des Gefühls, nicht zu wissen, wie man das Thema angehen soll. Doch ist dies ein Bereich, in dem man bereits mit einigen hundert Euro beginnen kann, vorausgesetzt, man wählt sein Terrain sorgfältig aus, statt wahllos zu kaufen.
Ein Gebiet wählen statt einzelner Titel
Der Unterschied zwischen einer Ansammlung und einer Sammlung liegt in einem roten Faden. Eine kohärente Sammlung gewinnt an Wert, lässt sich besser weiterverkaufen und vor allem macht ihre Entstehung Freude, weil jeder Neuerwerb an den vorherigen anknüpft.
Einige gut funktionierende und zugleich erschwingliche Ansätze:
- Ein Autor: die aufeinanderfolgenden Ausgaben eines Werkes, seine Übersetzungen, seine Illustrationen sammeln. Das Gebiet ist begrenzt, was ein erreichbares Ziel bietet.
- Ein Illustrator: oft erschwinglicher als ein berühmter Autor und optisch kohärent auf einem Regalbrett.
- Ein Verlag oder eine Reihe: die Pappbände von Hetzel, die Ausgaben von Curmer, die „Bibliothèque bleue“. Diese Serien verfügen über eine Referenzbibliographie, was die Suche erleichtert.
- Ein Thema: Gastronomie, Jagd, Botanik, Luftfahrt, eine Region. Dies ist der freiest gestaltete und oft der günstigste Einstieg.
- Eine Epoche oder eine Technik: Bücher des 18. Jahrhunderts in zeitgenössischer Einband, illustrierte Art-déco-Bücher, Werke auf farbigem Papier.
Welches Budget für den Einstieg
Entgegen einer weit verbreiteten Meinung beginnt der Einstieg in die Bibliophilie nicht im vierstelligen Bereich. Zwischen 30 und 150 Euro findet man Bücher des 19. Jahrhunderts in zeitgenössischem Einband, gut illustrierte Ausgaben in guter Erhaltung oder Serien-Pappbände in gutem Zustand. Zwischen 150 und 500 Euro gelangt man zu Originalausgaben von weniger bekannten Autoren, schönen illustrierten Werken und mittelmäßigen, aber qualitativ hochwertigen signierten Einbänden. Jenseits dieser Grenze betritt man den Bereich der gesuchten Originale, der Großpapiere und der bibliophilen Einbände.
Der entscheidende Rat: Lieber ein schönes Exemplar eines bescheidenen Werkes als ein abgenutztes eines renommierten Titels. Ein schlecht erhaltener Band lässt sich schlecht weiterverkaufen, ist schlecht zu lagern und bereitet weniger Freude. Diese Regel gilt auf allen Budgetebenen.
Was ein Exemplar besser macht als ein anderes
Bei gleichem Titel und Erscheinungsjahr erklären sich die Preisdifferenzen fast immer durch folgende Punkte.
- Der Einband: zeitgenössisch statt später, signiert statt anonym, voller Ledereinband statt Halbleder (demi-reliure). Ein intakter zeitgenössischer Einband kann den Wert verdoppeln.
- Die Frische des Innenraums: keine Stockflecken, unbeschnittene Ränder, weiß gebliebenes Papier. Stockflecken sind der häufigste und wertminderndste Mangel.
- Die Vollständigkeit: alle Tafeln, ausklappbare Karten, Schmutztitel. Ein unvollständiges illustriertes Werk verliert den Großteil seines Wertes, und das Fehlen einer einzigen Tafel fällt beim Weiterverkauf immer auf.
Wo kaufen, und worauf achten
Der spezialisierte Antiquar bleibt der sicherste Weg für den Einstieg: Die Bücher werden beschrieben, kollationiert und Mängel werden angegeben. Genau dafür zahlt man den Aufpreis gegenüber einem Trödelmarkt – und vermeidet so, unwissentlich ein unvollständiges Exemplar zu erwerben.
Bei Auktionen werden die Lose oft gebündelt und ohne detaillierte Zustandsgarantie verkauft. Dies ist ein gutes Terrain, wenn man bereits weiß, wonach man sucht, aber eine kostspielige Falle für Anfänger.
Auf Plattformen zwischen Privatpersonen gilt es, auf drei Punkte zu achten: Nennt die Beschreibung den inneren Zustand? Zeigen die Fotos den Einband aus mehreren Winkeln? Präzisiert der Verkäufer die Kollation? Eine Anzeige, die nichts über den Zustand aussagt, verrät in der Regel etwas über den Zustand.
Die Sammlung pflegen
Drei Regeln reichen aus, um den Großteil der Schäden zu vermeiden. Bücher werden stehend, eng aneinander, aber nicht gepresst, und niemals flach übereinander – besonders bei Großformaten. Sie fürchten weniger die Kälte als Feuchtigkeit und plötzliche Temperaturschwankungen, was Keller, Dachböden und Heizkörper ausschließt. Zudem bleicht direktes Sonnenlicht die Buchrücken innerhalb weniger Monate aus: Eine Bibliothek mit Südfenster schadet mehr als ein Umzug.
Versuchen Sie niemals, Bücher selbst zu reinigen oder zu restaurieren. Jährlich gehen durch Reinigungsversuche mehr Werte verloren, als Staub jemals hätte beschädigen können.
Häufig gestellte Fragen
Sollte man ausschließlich Originalausgaben kaufen?
Nein. Die Originalausgabe ist bei bedeutenden Texten gesucht, doch eine schöne, spätere illustrierte Ausgabe ist oft mehr wert als eine uninteressante Originalausgabe. Unser Leitfaden zur Schätzung erklärt, wie sich der Preis bildet.
Ist ein altes Buch eine Kapitalanlage?
Es kann an Wert gewinnen, doch man sollte in Jahrzehnten denken, schnelle Liquidität ausschließen und akzeptieren, dass ein gängiges Werk gängig bleibt. Sammeln Sie das Objekt – eine mögliche Wertsteigerung kommt als Bonus hinzu.
Wie erkennt man, ob ein Buch vollständig ist?
Durch Kollationieren: Überprüfen Sie die Abfolge der Lagen und das Vorhandensein aller Tafeln, gestützt auf eine maßgebliche Bibliografie, falls vorhanden. Dies ist eine technische Arbeit – einer der Gründe, warum man bei einem Fachhändler kaufen sollte.
Kann man ohne großes Budget beginnen?
Ja. Ein regionales oder fachspezifisches Thema, das wenig Nachfrage hat, ermöglicht es, eine kohärente und wirklich interessante Sammlung mit Büchern unter 100 Euro pro Stück aufzubauen.