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Christ vor dem Hohenpriester Kajaphas verspottet und geschlagen JAN SADLER 1589 Passionsdarstellungen

Christ vor dem Hohenpriester Kajaphas verspottet und geschlagen JAN SADLER 1589 Passionsdarstellungen

Originaltitel : Christ bafoué et frappé devant le grand prêtre Caïphe JAN Sadeler 1589 passion

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Über dieses Buch

Der verhöhnte und gegeißelte Christus vor dem Hohenpriester Kaiphas Schöne Kupferstich von Jan Sadeler 1589 nach C. Schwartz, (29 x 44,5 cm), Legenden in Latein, rückseitig aufgezogen (Gesamtgröße des Blattes auf starkem Papier: 61 x 47,5 cm), ein kleiner, ohne Substanzverlust in der linken Randzone innerhalb des Rahmens verlaufender Schnitt Die Peiniger, die sich physisch an Christus vergehen, tragen hier…

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Beschreibung

Der verhöhnte und gegeißelte Christus vor dem Hohenpriester Kaiphas

Schöne Kupferstich von Jan Sadeler 1589 nach C. Schwartz, (29 x 44,5 cm), Legenden in Latein, rückseitig aufgezogen (Gesamtgröße des Blattes auf starkem Papier: 61 x 47,5 cm), ein kleiner, ohne Substanzverlust in der linken Randzone innerhalb des Rahmens verlaufender Schnitt

Die Peiniger, die sich physisch an Christus vergehen, tragen hier die unverkennbaren Merkmale der römischen Soldateska: Rüstungen, militärische Attribute und kraftvoll gezeichnete Anatomien verleihen ihnen das Aussehen gefürchteter Legionäre. Doch ihr Handeln geschieht unter den Augen Kaiphas’, den seine priesterlichen Gewänder unzweifelhaft als solchen ausweisen und dessen Geste – das Zerreißen seiner Kleider – auf die religiöse Verurteilung Christi verweist.
Diese scheinbare Verwirrung der Protagonisten und Umstände darf nicht als bloße Nachlässigkeit des Künstlers betrachtet werden. Vielmehr entspringt sie einer tiefgreifend theatralischen Bildkonzeption, die der manieristischen Sensibilität eigen ist und die dramatische Intensität, die Spannung der Körper sowie die ausdrucksstarke Komposition in den Vordergrund stellt. Indem der Künstler in einem einzigen Bildraum die den jüdischen Wachen zugeschriebene Gewalt mit den visuellen Zeichen der römischen Militärbrutalität vereint, verdichtet er die verschiedenen Schändungen der Passion zu einer einzigen, überwältigenden und fast erstickenden Szene.
Eine solche Freiheit gegenüber der evangelischen Chronologie offenbart besonders deutlich, wie frei nordrenaissancezeitliche Künstler mit der heiligen Überlieferung umgehen konnten. Die wörtliche Treue zum Ablauf der Evangelien weicht hier einer anderen Wahrheit: der des Gefühls, der theologischen Reflexion und der visuellen Wirkung. Das Bild zielt daher weniger darauf ab, die historischen Umstände der Passion getreu zu rekonstruieren, als vielmehr deren Gewalt und spirituelle Bedeutung vor den Augen des Betrachters zu verdichten.
In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die Evangelien sehr wohl zwei Phasen körperlicher Gewalt unterscheiden, die traditionell als „Verspottungen“ bezeichnet werden und die aufeinanderfolgen, ohne sich zu vermischen.
Die erste Verspottung, religiöser Natur, ereignet sich in der Nacht in der Wohnung des Hohenpriesters Kaiphas in Gegenwart des Hohen Rates, des Sanhedrins. Jesus wird dort von den Tempelwachen und Dienern misshandelt: Man schlägt ihn, spuckt ihm ins Gesicht, verhüllt ihm die Augen und fordert ihn in grausamer Parodie auf, denjenigen zu erraten, der ihn soeben geschlagen hat. Die gegen ihn ausgeübte Gewalt nimmt hier die Form einer Demütigung an, die seine messianischen Ansprüche lächerlich machen soll.
Die zweite Verspottung, politischer und militärischer Art, findet am folgenden Tag im Prätorium statt, nachdem Jesus an Pontius Pilatus ausgeliefert wurde. Sie geht diesmal auf das Konto der römischen Soldaten. Diese geißeln ihn, hüllen ihn in einen purpurnen Mantel, setzen ihm eine Dornenkrone aufs Haupt und reichen ihm ein Rohr als lächerliches Zepter. Durch diese groteske Inszenierung verspotten sie den Titel „König der Juden“, der ihm beigelegt wird.
Das Werk verdichtet somit die beiden unterschiedlichen Momente der Passion zu einer einzigen visuellen Einheit. Indem der Künstler in einer einzigen Szene die Protagonisten, Gesten und Zeichen zweier durch die Evangelien getrennter Episoden zusammenführt, ersetzt er die chronologische Strenge durch eine genuin malerische Logik: die der dramatischen Verdichtung. Die Gewalt der Passion wird so weniger zu einer Abfolge von Ereignissen als zu einer umfassenden Vision der Demütigung Christi, die dem Blick und der Meditation des Gläubigen dargeboten wird.

LA LIBRAIRIE ANTIQUE
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